Meist beschäftigt sich frau erst mit ihrem Zyklus, wenn Unregelmäßigkeiten oder Probleme auftreten. Auch die Wahl passender Verhütungsmittel oder der Übergang in die Wechseljahre stellt Frauen oftmals vor Herausforderungen. Über die Hälfte aller Frauen leidet mehr oder weniger unter dem prämenstruellen Syndrom (PMS). Besonders Frauen über dreißig sind von diesem Problem betroffen. Doch, was ist PMS eigentlich – und welchen Einfluss hat „die Pille“ auf den weiblichen Zyklus?


PMS – oder das: „Ich-wurde-nicht-befruchtet“-Syndrom?

Wie der Name schon verrät, kommt es beim prämenstruellen Syndrom, kurz PMS (prä = vor, menstruell = in Bezug auf die Monatsblutung) bereits vor der Periode zu einer Vielzahl von Symptomen. Bei manchen Frauen sind nur wenige Tage direkt vor der Monatsblutung betroffen, andere leiden zwei Wochen und mehr unter verschiedensten Symptomen. Meist verlängert sich der problematische Zeitraum im Laufe der Jahre.

Symptome bei PMS

PMS kann sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Symptome zeigen. Die Beschwerden, die durch PMS auftreten können, gehen oftmals mit Symptomen einer Östrogendominanz einher. Was ist der Grund hierfür? Die Ursachen für PMS sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es spricht jedoch vieles dafür, dass eine Östrogendominanz ein wesentlicher Verursacher von PMS ist.

„Prepare to meet Satan.” Die typischen PMS-Beschwerden:

  • Reizbarkeit
  • Migräne-Kopfschmerzen
  • Empfindlich geschwollene Brüste
  • Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen (am Bauch)
  • Heißhunger auf Süßes
  • Müdigkeit

Andere mögliche Ursachen von PMS sind unter anderem folgende Faktoren:

  • Progesteronmangel (Östrogendominanz)
  • Genetische Faktoren
  • Zyklen ohne Eisprung
  • Psycho-, sozio- und emotionaler Stress
  • Ernährungsfehler
  • Vitamin- und Spurenelemente-Mangel
  • Starkes Übergewicht (Adipositas)
  • Bewegungsmangel
  • Jahreszeitlich bedingter Lichtwechsel (Biorhythmus als Taktgeber)
  • Probleme und Unregelmäßigkeiten mit dem monatlichen Zyklus

Frau sein – Unter dem Einfluss unserer Hormone

Der weibliche Zyklus mit seinen „Tagen“ ist oftmals schwer vereinbar mit den Anforderungen an das moderne und durch Leistung und Erfolg geprägte Leben. So wird von Frauen wie Männern erwartet, jederzeit gleichbleibend leistungsfähig und aktiv zu sein. Lediglich am Wochenende oder im Jahresurlaub darf man es auch mal etwas ruhiger angehen lassen.

Frauen haben durch ihren hormonellen Zyklus einen internen Rhythmus, der sich mithilfe des Zusammenspiels der einzelnen Hormone und deren Funktionen zusammensetzt.

Nach der Monatsblutung ist der Körper der Frau vor allem auf Wachstum orientiert. Der Follikel beginnt heranzureifen und die Gebärmutterschleimhaut wird gebildet. Dank der Wirkung des Hormons Östrogen sind die meisten Frauen in dieser Phase besonders leistungsfähig, aktiv – und outgoing. Sie zeigen mehr Lebensfreude, Aktivität und neigen zu weniger körperlichen Beschwerden. Mit dem Eisprung wird der Höhepunkt des Monatszyklus erreicht und auch Fruchtbarkeit und Libido (Lust auf Sex) nehmen zu.

Bei gelungener Befruchtung der Eizelle – das Ziel der ersten Zyklusphase, bereitet sich der Körper entweder auf eine Schwangerschaft vor, oder schließt den Monatszyklus mit einer Blutung erneut ab. In beiden Fällen – einer beginnenden Schwangerschaft und einer Periodenblutung als immunologische Reaktion des Körpers – ist Ruhe und Entspannung wichtig. Der starke Wunsch nach Rückzug während der Periode ist somit in der zweiten Phase besonders stark ausgeprägt.

Rückzug an „besonderen Tagen“

Bei vielen Naturvölkern war es früher üblich, dass sich Frauen während ihrer Periodenblutung separat in einer Hütte zurückziehen konnten. In dieser Zeit gingen sie stark nach innen und waren ganz für sich. Es wurden keine Alltagsverpflichtungen an sie gestellt, sondern die „Tage“ gehörten ganz ihnen.

Heutzutage wird demgegenüber erwartet zu jeder Zeit gleichbleibend schnell und effektiv zu funktionieren. Ein monatlicher Rückzug im „Körperrhythmus“ ist demnach nicht möglich – und auch nicht von jederfrau gewünscht. Jedoch kann der „Zwang“ zur permanenten Leistungsfähigkeit mangels Entspannung und Regeneration auch zu emotionalen Belastungen – bis hin zu PMS führen.

Was sagen mir die Symptome – ein Gedankenexperiment

Diese äußerst unliebsamen, monatlichen Beschwerden, die mit PMS-Symptomen einhergehen, führen dazu, dass sich die betroffene Frau unfreiwillig etwas zurückzieht. In schweren Fällen von PMS ist die betroffene Frau nicht mehr arbeitsfähig. So erreicht PMS, was sich die Frau in gesundem Zustand nicht erlauben könnte. Doch der Preis ist hoch, denn PMS-Beschwerden sind unangenehm.

In vielen Fällen kann PMS erheblich gelindert werden, wenn es einer Frau gelingt, die Leistungsschwankungen des Zyklus in ihr Leben einzubauen.

Welchen Einfluss haben hormonelle Verhütungsmittel (die „Pille“) auf den weiblichen Zyklus?

Kurz gesagt: Eine chronische, dauerhafte Schwangerschaft führt zu einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt. Denn künstlich, synthetische Hormone führen zu einem gleichbleibendem Hormonlevel. Der Köper stellt die Produktion eigener Sexualhormone ein. Logisch. Denn diese zirkulieren bereits im Blutkreislauf und übermitteln entsprechende Informationen an das Gehirn.

Alle hormonellen Verhütungsmittel enthalten Progesteron. Durch die tägliche Einnahme der „Pille“ erhält das Gehirn somit dauerhaft die Information: „Die Eizelle hat sich eingenistet“ und stellt die Produktion neuer Follikel ein.

Wirkungskreise und Folgen

  • die Hormonausschüttung von FSH wird gehemmt
  • es werden keine neuen Eizellen gebildet
  • es wird kein Östrogen produziert
  • es kommt zu keiner LH-Ausschüttung
  • es findet kein Einsprung statt
  • es kommt zu keiner eigenen Progesteron-Produktion
  • und es wird kein Aufbau von Gebärmutterschleimhaut initiiert

Körper-Mechanismen unter dem Einfluss der Pille

Regelkreislauf der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse

Die gesamte HPG-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse) wird gehemmt und somit fehlen auch die positiven Wirkungen der Hormone sowie auch der natürlich wechselnde Östrogen-Spiegel (Folge: weniger Östrogen und gleichbleibend Progesteron). Die Hypothalamus-Hypophysen-Achse ist ein endokriner Regulationsweg im ZNS (zentrales Nervensystem), der durch das komplexe Zusammenspiel von Hypothalamus und Hypophyse die Aktivität zahlreicher endokriner Drüsen im gesamten Körper steuert. Beispiele für endokrine Drüsen sind die Schilddrüse sowie die Nebenniere.

Während Progesteron eine beruhigende und dämpfende Eigenschaft hat, sind die synthetischen Progestine eher mit Depression und Angst assoziiert.

Der Einfluss der Pille auf die Partnerwahl

Mit dem Ziel der Fortpflanzung haben Sexualhormone auch Einfluss auf die Partnerwahl – und steuern über den Geruchssinn, welcher Mann ein „passender Kandidat“ zur Zeugung von Nachwuchs ist. So sagt ein altes Sprichwort: „Jemanden gut riechen können.“

Warum ist das so? Das Genmaterial wird A) über das Aussehen als Indikator für Gesundheit und B) passt es (Geruch) und hat es eine große Varianz (Vorteil) geprüft. Unter dem Einfluss der Pille ist die Geruchswahrnehmung verändert.

Testosteron bringt Motivation

Frauen bilden in geringeren Mengen, wie auch Männer, das Sexualhormon (Androgen) Testosteron. Dieses Hormon sorgt unter anderem für Motivation, Libido und den Aufbau von Muskulatur. Bereits eine im Jahr 2005 veröffentlichte Studie belegt, dass bei Patientinnen die Einnahme der Pille zu einer Abnahme der Libido führt. Eine Abnahme des Testosteronspiegels im Serum legt nahe, dass durch das Absinken des Testosterons die Lust abnimmt. Mehr noch: Er zeigt, dass der Spiegel des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) auch nach Absetzen der Pille bei einigen Frauen über einen längeren Zeitraum erhöht bleibt.

Der anti-androgene Effekt der Pille ist der Grund, warum die Pille als „Lifestyle-Produkt“ bei Akne (unreine Haut durch hohe Testosteronspiegel) hilft.

Schilddrüse: Wechselwirkungen mit Pille und Hormonen

Häufig führt die Einnahme der Antibabypille unter anderem zu einer Östrogendominanz, was die Funktion der Schilddrüse erheblich beeinträchtigt. Außerdem kann diese Östrogendominanz zu Unterfunktionserscheinungen führen.

Für Expert*innen

Neben SHBG wird unter Einfluss der Pille vermehr Thyroxin-bindendes Globulin (TBG) gebildet, das als Transportprotein Schilddrüsenhormone bindet.

Weniger Schilddrüsenhormone im Kreislauf bedeutet:

  • Es gibt ein Feedback an das Gehirn: „es sind zu wenig Hormone da“
  • Das Gehirn produziert TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon)
  • Die Ausschüttung von T3 und T4 wird durch das Thyreoidea stimulierende Hormon (TSH) der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) reguliert.
  • TSH sagt der Schilddrüse: „produziere mehr Hormone“
  • T4 wird von der Schilddrüse gebildet und ausgeschüttet und dient als Vorläuferhormon (Vorstufe) für das T3

Die langfristige Folge davon kann in einer Schilddrüsenunterfunktion münden, die mit Symptomen wie etwa kalten Händen und Füßen, blasser Haut und dünnen Haare (Haarausfall), Energielosigkeit oder Konzentrationsprobleme einhergeht. 

Leber: Die Pille als Medikament verstehen

In der Leber werden Medikamente metabolisiert (also umgewandelt). Doch die Leber ist weit mehr als eine reine „Umbaustation“. Sie trägt unter anderem zur Entgiftung, Produktion von Gallensäuren bei und aktiviert Schilddrüsenhormone sowie Vitamin D. Ist die Leber überlastet, treten oftmals Symptome wie Müdigkeit, Verstopfung oder Durchfall auf.

Darm und Mikrobiom unter dem Einfluss der Pille

Der Darm stellt die größte Abwehr zur Außenwelt dar. Zudem spielt er eine wichtige Rolle bei der Produktion von Hormonen. Auch der Darm kann unter dem Einfluss der Pille leiden. Studien zeigen, dass die Antibabypille enormen Einfluss auf diese Organe hat. Und nicht nur das: Sie steht auch im Verdacht, die Darmflora zu beschädigen und chronische Darmerkrankungen auszulösen. Vermutlich liegt es daran, dass die künstlichen Östrogene der Pille die Durchlässigkeit der Darmwand begünstigen. Dadurch und aufgrund unserer künstlich veränderten Hormonspiegel steigt die Gefahr für Entzündungen im Darm.

Pillen-Hormone können die Zusammensetzung unserer Darmflora verändern, sodass schädliche Bakterien sich ausbreiten und gesunde Bakterienkulturen zurückgehen.Zudem wird Serotonin im Darm gebildet, das beruhigend und angstlösend wirkt und als Vorstufe von Melatonin für gesunden Schlaf und Regeneration sorgt.

Die Folgen können sein:

  • Symptome eines Leaky Gut
  • Blasenentzündungen oder Vaginalpilz.
  • Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmungen
  • Innere Unruhe
  • Entzündungen

Die Darm-Hirn-Achse beeinflusst die Psyche

Stress, Ärger, Angst? Daten-Autobahn zwischen Kopf und Bauch: Stresshormone aktivieren die Nerven- und Immunzellen in der Darmwand. Über Nervenfasern, Botenstoffe und Immunzellen stehen Psyche und Darm in regem Austausch. Denn: ein Ungleichgewicht im Darm gibt dem Gehirn die Information: Gefahrsituation und führt zur Aktivierung der Stressachsen.

Dauerstress: Überleben geht vor Fortpflanzung

Ein gesundes Hormonsystem ist entscheidend für die Fortpflanzung: Es reguliert den Zyklus der Frau, die Eizellenreifung, die Produktion gesunder Spermien und den Wunsch nach Sex. Probleme entstehen erst, wenn eines der Hormone fehlreguliert wird, mangelhaft vorhanden ist, oder der Bedarf über einen längeren Zeitraum erhöht ist. Dies geschieht zum Beispiel bei Dauerstress (anhaltend empfundenem Stress). Es kommt zu einer dauerhaft erhöhten Kortisol-Ausschüttung, die der Körper nicht langfristig aufrechterhalten kann. Der Körper wird nun vor die Wahl gestellt: Überleben oder Nachkommen zeugen? Folgerichtig entscheidet er sich vorrangig für das Überleben. Die Versorgung der Stressachse wird über die der Sexualhormonachse gestellt. Welche Art von Stress vorliegt ist in diesem Zusammenhang zweitrangig: Ob Säbelzahntiger, Steuerklärung, Hypothek sowie berufliche oder familiäre Überforderung. Assoziierte Krankheitsbilder sind etwa Burnout oder Erschöpfungssyndrome.

Symptome einer hochregulierten Stressachse (HPA) durch hormonelle Verhütung (oder auch Leistungssport) können sein:

  • Heißhunger
  • Stressanfälligkeit
  • Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme
  • Schlaf und Regeneration

Quick-Wins bei PMS und Menstruations- problemen:

  • Den Serotonin-Haushalt (Neurotransmitter) regulieren: Traubensilberkerze als Unterstützung
  • Informationen über alternative Verhütungsmethoden anstelle hormoneller Kontrazeptiva einholen
  • Den eigenen Zyklus kennen (ggf. Hormone checken lassen) und beobachten
  • Bei starker Regelblutung oder Symptomen wie blasser, rissiger Haut (in den Mundwinkeln) und Abgeschlagenheit: Eisenhaushalt beobachten
  • Intensive Bewegung während der Periode vermeiden. Grund ist der immunologisch, reinigende Prozess der Menstruation
  • Ruhe und Entspannung durch stressreduzierende Übungen: Ausdauertraining und moderates Bewegen, wandern im Wald, Yoga oder autogenes Training